Die Entwicklung von Onlinebeziehungen
Mai 12, 2008
bisazselina
Tags: Entwicklung Onlinebeziehung
„…Nach dem ersten Kennenlernen … sind verschiedene Verläufe möglich.“ (Döring, 2000, S. 62). Die Netzromanze kann sich stabilisieren, abbrechen, zu einer platonischen Freundschaft führen oder unklar bleiben. Oft sind bei Cyberromanzen Personen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen beteiligt, deshalb müssen geografische und kulturelle Differenzen überbrückt werden. (Döring, 2000, S. 63). Weiter ist eine gemeinsame Beziehungsdefinition nötig, damit keine falschen oder zu hohen Erwartungen entstehen (Döring, 2000, S. 63).
Der Medienwechsel ist typisch für Internetbeziehungen (Döring, 2000, S. 57). Die Beziehung beginnt oftmals in öffentlichen Online-Foren oder Chaträume. Hier können sich die Personen ein erstes Bild voneinander machen. Danach folgt der private Netzverkehr per privater Chat oder E-Mail. Hierbei können die Dauer und die Intensität der Kommunikation variieren. Netzromanzen beinhalten typischerweise mehr Engagement als herkömmliche Romanzen. (Döring, 2000, S. 57). Der erste kritische Medienwechsel ist von der textbasierten Kommunikation zur verbalen Kommunikation, indem man telefoniert. Der Austausch von Telefonnummern ist ein erster deutlicher Beweis von Vertrauen. Gewisse Leute gehen hier eine Phase der Schüchternheit und Befremdung durch, andere finden sofort den Draht zueinander. (Döring, 2000, S. 58).
Nach Döring (2000, S. 58) folgt oft nach dieser telefonischen Annäherung ein Austausch der Fotos. Meiner Meinung nach ist es heutzutage anders, und die Fotos werden relativ schnell ausgetauscht. Es können Ängste entstehen, da man unsicher ist, was die andere Person von dem Foto denkt und wie sie darauf reagiert. Die Fotos können Auslöser für weitere Gefühle sein, man kann sich noch stärker verlieben, oder man ist enttäuscht, aber es kann auch sein, dass man die Fotos nicht so hoch bewertet. (vgl. Döring, 2000, S. 58).
Nach dem Fotoaustausch kann ein erstes reales Treffen erfolgen. Vorher wird dies meistens gut geplant. Die Treffen werden unterschiedlich erlebt, zum Teil fällt man sich sofort in die Arme, zum Teil dauert es etwas länger, bis das Eis bricht. Wenn das Treffen erfolgreich war, intensiviert sich die Kommunikation im Internet und am Telefon, ansonsten wird die Beziehung eher beendet. (Döring, 2000, S. 59).
Bei diesen Medienwechseln muss man beachten, dass es zwar ein typisches Ablaufmuster gibt, aber die Zeitspanne für einen Medienwechsel sehr unterschiedlich sein kann. (Döring, 2000, S. 60). Das heisst, dass nicht jede Person für jeden Medienwechsel gleich lang braucht. Zudem ist der Medienwechsel an sich nicht bei allen Personen gleich.
Zur Intimität von Cyberromanzen kann man sagen, dass sie stark ausgeprägt ist. Der Grund ist wohl, weil man ziemlich schnell viele persönliche Angaben preisgibt und auch, weil man ziemlich oft Kontakt haben kann. (vgl. Döring, 2000, S. 60). Zudem kann man im Internet einer Person unabhängig von der Zeit schreiben oder kontaktieren, also relativ spontan. Eine Antwort erfolgt eventuell erst später, dennoch kann man so mindestens probieren, eine andere Person zu erreichen, ohne sie dabei zu stören. Zudem kann man die andere Person auf dieser Weise über Verschiedenes informieren.
Manche Leute reden über ihre Leidenschaft und hoffen auf ein Face-to-face-Treffen. Andere erleben virtuelle Zärtlichkeiten und lassen sich auf Cybersex ein. Anscheinend kann das als unmittelbar und befriedigend erlebt werden. (Döring, 2000, S. 60f). Dennoch kann es sein, dass die Worte einmal verbraucht sind und solch eine Cyberromanze dann langsam deswegen scheitert. (Döring, 2000, S. 61). Gefühle sind etwas Besonderes, sie sind zum Teil schwer in Worte zu fassen. Eine Person real zu spüren und zu fühlen ist anders, als sich das nur vorzustellen.
Wie verbindlich eine Cyberromanze ist, zeigt sich vor allem im Medienwechsel von der Online-Welt zur Offline-Welt. Meist wird ein Face-to-Face-Treffen nach einer längeren Beziehungsdauer organisiert. Falls man sich wirklich binden will, besteht auch die Möglichkeit, sich im Netz zu verloben (Cyberverlobung) und zu heiraten (Cyberhochzeiten). Bei Fernbeziehungen sind die Beteiligten oft bereit, mit ihrer Cyberliebe zusammenzuziehen. (Döring, 2000, S. 61f).
Somit kann man sagen, dass sich nach dem ersten Kennenlernen die Entwicklung von Liebe 2.0 ähnlich oder gleich wie bei der herkömmlichen Liebe verläuft. Die Menschen gehen ähnliche Phasen durch und die Cyberliebe kann ziemlich wichtig erscheinen, indem man eben zum Beispiel eine Cyberhochzeit veranstaltet.
Aber man muss bedenken, dass nicht alle Onlinebeziehungen gleich verlaufen. Verschiedene Partnerbörsen offerieren verschiedene Dienste. PartnerWinner versucht zum Beispiel anhand von Wahlen („Sommer-Single-Wahl“, „Al-Capone-Wahl“) ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln. So sollen sich die Benützer nicht so einsam fühlen und ermutigt werden, aktiv zu bleiben oder zu werden. PartnerWinner arbeitet auch zusammen mit anderen Medien, zum Beispiel begleitet das Portal die Fernsehsendung „Swissdate“. Dies ist, um Synergien zu nutzen und den Benutzern mehr Möglichkeiten zu bieten. (vgl. Bühler-Ilieva, 2006, S. 113). PartnerWinner ermöglicht auch reale Treffen, indem Veranstaltungen organisiert werden, wie zum Beispiel Parties, Speedflirting, Kochkurse oder auch Museumsbesuche (vgl. Bühler-Ilieva, 2006, S. 113). Mittlerweile bieten viele Partnerbörsen ähnliche Dienste an, vor allem Parties werden immer wieder organisiert oder auch Single-Reisen. Parship setzt mehr auf Persönlichkeitstests.
Somit kann man sagen, dass es bei Onlinebeziehungen darauf ankommt, wo man sich kennenlernt (in welchem Portal, oder auf welcher Website) und wie man die Beziehung weiter pflegt. Je nachdem, welche Möglichkeiten sich anbieten, verläuft die Entwicklung der Beziehung demnach unterschiedlich, wie es auch in der realen Welt üblich ist, dass gewisse Personen schneller eine intime Beziehung eingehen als andere. Somit hängt die Entwicklung von Onlinebeziehungen natürlich auch von der Persönlichkeit der Beteiligten ab.
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1.
stoychristine | Mai 18, 2008 at 2:42
Wie du am Anfang schreibst, sehe ich auch eine Chance darin, dass durch Romanzen im Web verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Die „Auswahl“ nach dem zukünftigen Partner bzw. Partnerin steigt. Dadurch kann es eher mehrere Versuche geben, bis der User diejenige bzw. denjenigen „perfekten“ Partner für das wahre Leben gefunden hat. Somit ist der User ständig bestrebt weiterzusuchen, um noch eine passendere Person für sich zu finden. Was jedoch schwierig zu erreichen ist.
Zudem schreibst du vom ersten Treffen, was meiner Meinung nach eine erdrückende Situation sein kann, weil sich bei diesem Treffen etwas für die Zukunft ergeben könnte. Es entsteht ein gegenseitiges analysieren des Gegenüber, ob dieser für eine mögliche Partnerschaft in Frage käme. Dabei können Kleinigkeiten positiv wie negativ überbewertet werden, im Gegensatz zu einer längerfristigen Bekanntschaft, wo bereits Vertrauen besteht.
Je eher sich etwas Ernsteres entwickelt, umso schneller kann es auch wieder vorbei sein. Denn der Kennlern-Prozess benötigt Zeit und wenn der User gezielt auf Suche geht, dann kann eine mögliche Partnerschaft übereilt eingegangen werden.