Archive for April, 2008
Der Anfang und die Entstehung von Liebe 2.0
Das Kennenlernen im Netz kann ähnlich ablaufen wie im realen Leben. Dazu existiert ein einfaches Modell von Levinger und Snoek, welches vier Phasen der Annäherung unterscheidet, nämlich (Döring, 2000, S. 52):
1. kein Kontakt,
2. einseitige Wahrnehmung, bei einer Person entsteht ein Kontaktwunsch,
3. oberflächlicher Kontakt, erstes Kennenlernen, beiläufige Interaktionen,
4. Beziehungsvertiefung, persönlichere Interaktionen, zunehmende Interdependenz.
Die Forschung hat gezeigt, dass viele Faktoren zur Kontaktaufnahme führen. Verantwortlich dafür, dass ein Kennenlern-Prozess stattfindet, sind die kontaktinteressierten Personen selber (Döring, 2000, S. 52). Sie können einen aussagekräftigen Nickname wählen oder spezifische Angaben ins Netz stellen oder nicht. (vgl. Döring, 2007, S. 52).
Personen, die öfters und aktiver im Netz sind haben eine höhere Chance, als andere Personen, im Netz Personen für eine Beziehung zu finden. Das Verhalten der Personen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Vor einiger Zeit hatten die meisten Personen den ersten Kontakt mit Mitmenschen durch das Medium Chat. (Döring, 2000, S. 53). Es gibt natürlich viele andere Möglichkeiten, sich im Internet kennen zu lernen: E-Mail, Kontaktanzeigen im WWW, Face-to-face-Treffen (evtl. von einer Gruppe im Internet organisiert), Newsgroup, Private Homepage, Online-Spiele. (vgl. Döring, 2000, S. 53). Neuerdings spielen die vielen verschiedenen Online-Partnerbörsen eine wichtige Rolle. Es herrscht ein grosser Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern (z.Bsp. Parship, PartnerWinner, Friendscout24.ch, match.com).
Gemäss Döring (2000, S. 54) sind Foren nicht geeignete Orte, um eine erste Kontaktaufnahme zu beginnen. Viele Personen übernehmen gerne eine Beobachterrolle und möchten auch nicht unbedingt zum Gespräch aufgefordert werden. Somit sind soziale, aber auch technische Fähigkeiten, für den Umgang mit den Medien, für eine Kontaktaufnahme gefragt. (Döring, 2000, S. 54). Andererseits bieten gerade Foren und Chats, vor allem nach Themen gegliedert, eine ideale Gelegenheit oder Basis für das Kennenlernen (vgl. Döring, 2000, S. 54). Es besteht eine grössere Auswahl an Personen, zu verschiedenen Zeiten, in Prinzip zu jeder Zeit. Es besteht die Gelegenheit, Personen unverbindlich und unkompliziert anzusprechen. Diese Bedingung „…erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine Person zu treffen, in die man sich verliebt.“ (Döring, 2000, S. 54). Zudem ist es möglich, Personen nach ihren Interessen, ihrer Herkunft und Meinungen einzuordnen und somit Gleichgesinnte und Personen, die in der Nähe wohnen, zu finden. (Döring, 2000, S. 54).
Da die visuelle und akustische Kontrolle, wie sie im realen Leben existiert, in der Netzkommunikation entfällt, fühlen sich viele Personen dadurch weniger gestresst. Man denkt zum Beispiel nicht ständig nach, ob man gut aussieht. Äusserlichkeiten spielen zunächst eine unwesentliche Rolle, es wird auf den Inhalt des Textes eingegangen. Vor allem für schüchterne und selbstunsichere Menschen ist dies eine Erleichterung für den Anfang. (Döring, 2000, S. 55).
Übereinstimmungen in Interesse, Einstellungen und verborgene, belastende Gefühle bringen die Menschen näher aneinander. (Döring, 2000, S. 56). Hier könnte man sagen: „Gemeinsam statt einsam“.
„Erotische Spannung entsteht üblicherweise beim spielerischen Flirten und Scherzen, das sich im Netz in der Regel offensiver und entspannter bewerkstelligen lässt als in Face-to-face-Situationen.“ (Döring, 2000, S. 56). Informationslücken werden mit Idealvorstellungen ergänzt. Somit kann man sagen, dass es auch „Liebe auf den ersten Klick“ gibt. (Döring, 2000, s. 56). In verschiedenen Foren, Blogs oder Onlinezeitungen kann man dazu Erfahrungsberichte und Geschichten lesen (siehe z. Bsp. Bine, 2006, Jens, 2008, Kerstin, 2008, Kolokythas, 2001).
Die Anonymität im Netz ist zwar auf der einen Seite eine Erleichterung, auf der anderen Seite möchte man doch erfahren, mit welcher Person man kommuniziert; wie alt ist sie, wie sie aussieht, wo sie lebt usw. (Döring, 2000, S. 56). Es wird oft kritisiert, dass in diesen Bereichen im Netz oft gelogen wird. Dabei ist es kontextabhängig, ob sich Personen sich idealisierend präsentieren oder nicht. In sexualbezogenen Foren wird zum Beispiel oft verschönert. Am Beginn einer Netz-Freundschaft versucht man eher, die Frage nach dem Aussehen hinaus zu schieben. (Döring, 2000, S. 56). Zudem ist es für sich selber wenig hilfreich, über sein Aussehen oder andere persönliche Angaben zu lügen, wenn man sich später treffen will. Es könnte schwierig sein, die Lüge zu beichten, und man könnte das Treffen dann hinausschieben oder eventuell ganz absagen. Dies wäre aber schade, denn man würde eine Gelegenheit jemand Neues kennen zu lernen, der möglicherweise gut zu einem passt, verpassen.
Im Jahr 2002 wurde ein Webumfrage zu Online-Dating durchgeführt mit Benutzern von PartnerWinner.ch. Dabei entstand bei vielen relativ schnell eine Liebesbeziehung. In der Studie wird erwähnt, dass das Verhalten der einzelnen Nutzer relevant sei für den Erfolg. Dabei ist nicht nur das Verhalten online, sondern auch im realen Leben gemeint. Zusätzlich ist der Glaube an das Medium Internet entscheidend. (Bühler-Ilieva, 2006). Somit kann man sagen, dass ein Anfang und die Entstehung von Liebe 2.0 einen generellen Ablauf haben können, ähnlich wie im realen Leben. Aber, auch wie im realen Leben, hängt es von der jeweiligen Person, ihrer Motivation und ihrem Verhalten ab, ob sie tatsächlich einen passenden Menschen im Internet findet und ob und wie eine Liebesbeziehung entsteht.
1 comment April 12, 2008
Ein paar Zahlen
Wie schon angedeutet, präsentiere ich nun ein paar Zahlen von der Parship-Studie vom 21. November 2007 und nehme Stellung dazu. Die Studie ist eine repräsentative Studie der Online-Partnersuche in der Schweiz. (Parship, 2007). Über Parship selber werde ich momentan nicht mehr berichten, da die Zahlen allgemeingültig sein sollten. Am Anfang der Studie (Parship, 2007, S. 5) steht: „Bereits die Hälfte aller webaktiven Schweizer/innen (47,7%) kann sich vorstellen, im Internet nach einem Partner zu suchen …“. Diese Auskunft finde ich insofern interessant, als das bis anhin von meiner näheren Umgebung eher weniger darüber berichtet wurde. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass dieses Thema doch eher als intime oder private Angelegenheit gesehen wird. Dennoch, wenn ich gewisse Personen auf dieses Thema anspreche, stellt sich oft heraus, dass sich bereits einige sich mit diesem Thema befasst haben, bzw. dass sie Erfahrungen damit gemacht haben. Oft wird auch einfach behauptet, man habe eine Seite nur ausprobieren wollen oder zum Beispiel das Persönlichkeitstest aus Neugier und Interesse ausgefüllt. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht, kann ich nicht beurteilen. Die Formulierung „… im Internet nach einem Partner zu suchen…“ kann jedoch auch bedeuten, dass jemand einfach nur in einem Chat oder sonst im Internet, zum Beispiel in einem Forum, mittels einem Online-Spiel usw. ein Partner sucht. Denn gemeinsame Interessen sind bekanntermassen eine gute Grundlage für eine gut funktionierende Beziehung. Was mich weiter oder vor allem erstaunt hat, ist die Aktualität in jeder Altersstufe (Parship, 2007, S. 7). Die Prozentzahl zwischen den verschiedenen Altersstufen variiert nur leicht. Man muss jedoch natürlich beachten, dass die generelle Altersstruktur im Internet anders als in der „reellen“ Welt verteilt ist. (Vgl. dazu Bundesamt für Statistik, 2008). Es sind generell weniger ältere Personen „webaktiv“. Weiter wurde nicht untersucht, wie das Verhalten der unter 20-Jährigen ist. Während meiner Recherche bin ich auf einigen Foren, Blogs oder Geschichten gestossen, die eher für Jugendliche gedacht waren (vgl. z. Bsp. TeensTalk.de, 2008, Razyboard.com, 2008, Promny, 2008 oder Harzer, 2003). Ich denke auch allgemein, dass sich Jugendliche eher mit diesem Thema befassen. Jugendliche sind in einem Alter, in dem sie verschiedene Sachen ausprobieren und sich entwickeln wollen. Dazu gehört auch die Suche nach einem Partner. Da Jugendliche generell besser mit dem Internet umgehen können als ältere Personen, bietet es sich an, ein Partner über das Internet zu suchen. Ein wenig weiter in der Studie erfährt man: „Jede/r Sechste hat bereits einen Partner im Internet kennen gelernt …“ (Parship, 2007, S. 10). Meiner Meinung nach ist das doch ein ziemlich hoher Anteil an Personen. Aber wenn ich wiederum an meiner näheren Umgebung denke, ist es durchaus möglich. Mindestens zwei Personen haben nämlich durch das Internet einen Partner kennen gelernt. Die eine Person wurde über Skype von jemandem kontaktiert und die andere Person über PartnerWinner. In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich unter Anderem versuchen zu untersuchen, wie Beziehungen im Internet entstehen und sich entwickeln, und wie lange diese Beziehungen dauern.
1 comment April 2, 2008
Kurze Information
Aus persönlichen bzw. familiären Gründen bin ich mit meinen Blogeinträgen im Rückstand geraten. Weiter hatte auch ich technische Schwierigkeiten, zum Teil habe ich diese immer noch. Zum Beispiel mit der Schriftgrösse.
Ich werde versuchen, diesen Rückstand so bald wie möglich zu beheben. Ich bitte um Verständnis. Danke. Selina
Add comment April 1, 2008